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Michael Scheiner about Madras Special
McLaughlin oder noch weiter zurück Ravi Shankar haben es vorgemacht. Heute gehört es zu den gängigen musikalischen Verfahren: Die Fusion diverser kultureller Ausdrucksweisen und musikalischer Formen. East meets West, North meets South und alles durcheinander. Von musikalischer Beliebigkeit und fröhlichen Mixed Pickles, wie es im Popgeschäft, aber auch in anderen Sparten immer wieder vorexerziert wird, ist der indische Percussionist, Schlagzeuger und Komponist Ramesh Shotham so weit entfernt, wie Leipziger Allerlei vom indischen Chutney-Curry. „Madras Special“ ist eine Reminiszenz an seine frühere Heimat, dem heutigen Chennai. Mit seinem Trio, dem der ungarische Geiger Zoltan Lantos und der amerikanische Fusionspezialist Dave King am knackig-voluminösen Sechssaiter angehören, und Gastsolisten unternimmt Shotham eine Reise zwischen Abend- und Morgenland. Motorengeknatter, Hupen und Stimmengewirr führen direkt ins quirlige Alltagsleben der tropischen Millionenmetropole am Golf von Bengalen, der Shotham einen funky Groove überstülpt. Der virtuose Zoltan, der einige Zeit in Indien gelebt hat, erweist sich mit seiner Kenntnis indischer Ragas als idealer Partner für den Percussionisten, der neben der Sängerin Sandhya Sanjana auch als Sänger agiert. Charlie Mariano, einst Mentor und bei vielen Projekten gemeinsam mit Shotham beteiligt, darf mit seinem ätherischen Sound nicht fehlen. Wer sich bei zwei Nummern fragt, wie diese tragische Stimmung zustande kommt, sieht sich von einem kurzen Blick bestätigt: Bei einem seiner extrem seltenen Gastauftritte zeichnet der Oud-Spieler Rabih Abou Khalil auch als Komponist verantwortlich. Ein frisches stimmungsvolles Album, geeignet, Shotham als grenzüberschreitenden Instrumentalisten auch einem breiteren Publikum näher zu bringen. © Michael Scheiner |